{"id":244,"date":"2015-05-17T13:12:58","date_gmt":"2015-05-17T11:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/rosalistemr.de\/?p=244"},"modified":"2025-06-18T16:01:37","modified_gmt":"2025-06-18T14:01:37","slug":"homophob-sind-nur-die-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rosalistemr.de\/en\/2015\/05\/17\/homophob-sind-nur-die-anderen\/","title":{"rendered":"\u201eHomophob sind nur die\u00a0Anderen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vor 25 Jahren wurde Homosexualit\u00e4t aus dem Krankheitsindex der Vereinten Nationen gestrichen. Der 17. Mai wurde daher zum \u201eInternationalen Tag gegen Homo \u2013 Bi und Trans*phobie\u201c, kurz: IDAHOT erkl\u00e4rt. Er soll auf die anhaltende Diskriminierung sexueller Minderheiten \u00fcberall auf der Welt hinweisen. Heute j\u00e4hrt sich der IDAHOT zum elften Mal.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHomophobie\u201c \u2013 ein gefl\u00fcgelter Begriff. Aber wer oder was ist \u201ehomophob\u201c und was bedeutet das eigentlich? Nimmt man es w\u00f6rtlich, sprechen wir von einer \u201ePhobie\u201c, ist es pathologische Disposition? Vielleicht w\u00fcrden einige Homohasser_innen sogar die These unterst\u00fctzen, dass sie \u201enichts daf\u00fcr k\u00f6nnen\u201c und ihnen ein Ekel oder allgemeiner Abwehrmechanismus urmenschlich, nat\u00fcrlich, zugrunde liegt \u2013 es ihnen eine Disposition ist, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Obwohl diese Position nat\u00fcrlich bestandslos und vollkommen l\u00e4cherlich ist hat sich dieser Begriff jedoch durchgesetzt. Wer heute und in den vergangenen Tagen aufmerksam die Medien betrachtet hat findet mannigfache Analysen zu und \u00fcber prominente Homohasser_innen wie Beatrix von Storch und Birgit Kelle oder aber Berichte aus und \u00fcber Staaten wie Uganda oder Saudi-Arabien. Es scheint mir, dass in unserer \u201eaufgekl\u00e4rten Gesellschaft\u201c also folglich nur noch solche Personen homophob sind, die entweder dem von der Allgemeinheit ohnehin verurteilten Randgruppen Ultrakonservativer und Rechtsextremer angeh\u00f6ren, oder keine \u201edeutsche Sozialisation\u201c erfahren haben. Der gesellschaftliche Mainstream, \u201eob Hetero oder Homo\u201c, fordert Toleranz und Akzeptanz, weil Schwule und Lesben doch \u201eeigentlich ganz normal\u201c seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun also ist der_die geneigte B\u00fcrger_in endlich bereit \u201eNormalit\u00e4t zu akzeptieren\u201c, k\u00f6nnen sich Schwule und Lesben also freuen in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Ein vielfach genutztes Muster \u201eHomo, Hetero, Bi, Schei\u00dfegal\u201c ziert Poster wie auch Postkarten und suggeriert dass es heute egal sein k\u00f6nne welche sexuelle Orientierung das jeweilige Individuum hat. \u201eEgal\u201c bedeutet dass nicht mehr dar\u00fcber gesprochen werden muss, es kein Thema mehr f\u00fcr gesellschaftlichen Diskurs darstellen muss ob ein Mensch nun Hetero ist oder nicht. Ich muss gestehen, dass mich diese Position verwundert. Nat\u00fcrlich w\u00fcnsche auch ich mir eine Welt, in der sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identit\u00e4t keine Rolle mehr spielen, kein Thema mehr sind \u2013 aber ich w\u00fcnsche mir auch eine Welt in der es keine Nazis gibt, es keinen Sexismus gibt, und in der jeder Mensch so viel besitzt wie er_sie mag und braucht. Allerdings ist dieser Zustand zweifelsohne weit entfernt. Ich stimme zu: Als schwuler Mann kann ich heutzutage in Deutschland unter bestimmten Bedingungen beinahe unbehelligt leben: Ein Haus, eine eingetragene Lebenspartnerschaft, ein Golden Retreiver. Ganz normal eben. Wer sich nicht anpasst ist eben selber schuld, wenn die Menschen komisch reagieren. Man muss ja nicht immer gleich \u201eso krass\u201c, \u201eso tuntig \u00fcbertrieben\u201c, so \u201eklischeeschwul\u201c oder \u201egleich ne Kampflesbe\u201c sein. Friss oder stirb quasi. Normalit\u00e4t ist eben nicht gleich Realit\u00e4t, sondern bezeichnet das Ma\u00df der Anpassung von Individuen und Minderheiten an die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse der Mehrheitskultur. Diese ist wei\u00df, heterosexuell und m\u00e4nnlich. Akzeptanz also gleicht der Forderung nach einer Anpassung \u2013 die im Gegenzug vor Totschlag sch\u00fctzt. Sie ist soetwas wie unser Schutzzoll, den wir an die Gesellschaft zahlen m\u00fcssen. Nur die Mehrheit kann die Minderheit akzeptieren, solange die Minderheit glaubt, dass sie die Akzeptanz der Mehrheit ben\u00f6tigt, solange sie einfach auch mitmachen k\u00f6nnen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Martin Dannecker postulierte schon 1971 in Rosa von Praunheims Film \u201eNicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDa die Schwulen vom Spie\u00dfer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen die noch spie\u00dfiger zu werden, um ihr Schuldgef\u00fchl abzutragen mit einem \u00dcberma\u00df an b\u00fcrgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank daf\u00fcr, dass sie nicht totgeschlagen werden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange Menschen heute noch ein Coming-Out haben m\u00fcssen, solange ein Kuss eine Provokation ist, solange Normalit\u00e4t als Synonym f\u00fcr Anpassung genutzt wird und wir auf Akzeptanz hoffen m\u00fcssen ist es also noch lange nicht \u201eschei\u00dfegal\u201c ob nun \u201ehetero oder homo\u201c. Sprechen wir dar\u00fcber, k\u00e4mpfen wir f\u00fcr unsere Emanzipation, werden wir sichtbar: Schrill, laut, tuntig und eben anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Kommentar von Tarek Shukrallah<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Datum der Ver\u00f6ffentlichung: 17.Mai.2015<br>Link zum Original: <a href=\"https:\/\/rosaliste.wordpress.com\/2015\/05\/17\/idahot2015\/\">https:\/\/rosaliste.wordpress.com\/2015\/05\/17\/idahot2015\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Disclaimer: Dieser Inhalt wurde unver\u00e4ndert von der alten Website der Rosa Liste \u00fcbernommen. Als Liste mit lange zur\u00fcckf\u00fchrender Geschichte an der Universit\u00e4t verstehen wir die Bedeutung von Archivierung und Kontinuit\u00e4t. Was du hier liest, ist also nicht unbedingt unser heutiger Standpunkt, aber Teil dessen, woher wir kommen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 25 Jahren wurde Homosexualit\u00e4t aus dem Krankheitsindex der Vereinten Nationen gestrichen. Der 17. Mai wurde daher zum \u201eInternationalen Tag gegen Homo \u2013 Bi und Trans*phobie\u201c, kurz: IDAHOT erkl\u00e4rt. 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